Interview mit Ulrich Putz
Was ist die schönste Erinnerung aus Ihrer Kindheit und Jugend?
Es war sehr viel Wald um uns rum und obwohl ich im Zeugnis bei Leibesübungen ein Mangelhaft hatte, bin ich gerne auf Bäume geklettert, da hat mir aber keiner eine Note für gegeben. Ich bin auch gern Rad gefahren, haben auch so einige Touren gemacht und ja wenn's irgendwie um Autos ging, war ich auch immer dabei. Ob meine Kindheit schön war kann ich gar nicht so mit ja und nein beantworten. Also es war zumindest einigermaßen problemlos.
Wie fühlt sich das Älterwerden an?
Das mit dem Älterwerden hab ich eigentlich gar nicht so gespürt, dass ich da jetzt irgendwelche Sachen hatte, wo ich jetzt sagen müsste das kann ich nicht mehr oder das war vorbei oder so. Könnte ich jetzt gar nicht so benennen. Der Freundeskreis ist ein anderer geworden, die Freunde von damals sind in alle Welt verzogen. Aber auch in den vergangenen Jahren haben sich neue nette - Freundschaften, vielleicht nicht - aber Begegnungen ergeben. Das reicht zum Wohlsein.
Ärger macht mir allerdings mein Auge, ich bin ja rechtsseitig blind und links ist auch nicht mehr so dolle hab ich künstliche Linse und. Das ist schon so ein Hemmnis. Ein Mitbewohner hat für meinen Rollator diese gelben Beflektorstreifen besorgt und da bilde ich mir schon ein, dass die Autofahrer darauf achten, wenn ich einer Baustestellenkante stehe. Ansonsten muss ich ganz aufmerksam horchen, kommt da was oder nicht. Also mit anderen Worten: Ich kann noch am öffentlichen Leben teilnehmen.Das ist mir wichti, und ich kann auch selbstständig einkaufen. Der REWE ist ja hier in der Nähe und sonst frage ich ich die Verkäuferin. Können Sie mir bitte das und das holen und die sind alle auch da sehr nett das ist auch problemlos. ist überhaupt 'ne schöne Lage hier. Die Bank um Ecke die Volksbank ein paar Schritte weiter ist die Apotheke. Also was man so braucht, ist nahebei.
Was war Ihre längste Freundschaft?
Mein ältester Freund und ich kennen uns seit dem Kindergarten, der kommt regelmäßig hier vorbei und besucht mich und wir treffen uns auch oft beim Einkaufen und er hat auch eine Bekannte hier im Haus, die er besucht.
Was war ein schönes Erlebnis in Ihrer Jugend?
Ich war erst in der Jungschar, dann im CVJM. Wir sind sogar mit dem Diakon nach Münster gefahren zum Konzert der Rolling Stones, das war wirklich ein Erlebnis.
War früher alles besser?
Zumindest hab ich das immer von meinen Großeltern gehört, dass früher alles besser war.
Wie stehen Sie denn dazu?
Das halt ich irgendwie für ein doofen Spruch. Da müsste ich ja jetzt sagen was heute schlechter ist.
Haben Sie etwas vermisst?
Ich hätte ganz gerne Abitur gemacht, so hab ich die Mittlere Reife. Hab die kaufmännische Lehre. Hab da gute Erfahrung gesammelt und bin also im Rahmen der der Schwerbehindertenfürsorge, wo ich tätig war, hatte ich ja viel in den Betrieben zu tun und ich hab auch gemerkt, dass ich also von den Betrieben eine gute Rückmeldung bekommen habe D.h. ich konnte viel auch für die Leute erreichen zur Arbeitsplatzsicherung ja. Die wussten, wovon ich rede. Die dachten in dem Betrieb zuerst immer: Jetzt kommt hier einer vom Amt so 'n Stubenhocker oder so und da waren die baff, wenn ich mich doch auskannte. Also mit anderen Worten ich habe dem Abitur und Theoriewissen so gesehen nie nachgetrauert. Ich bin so ganz zufrieden mit meinem Werdegang.
Gibt es etwas, worauf Sie stolz sind?
Was richtig Großes hab ich nicht geleistet, sondern bin so ganz gut mitgeschwommen würde ich sagen.
Haben Sie Geschwister?
Eine Schwester, sie heißt Brigitta, sie wohnt aber in Süddeutschland da hab ich keine Beziehung zu.
Hatten sie denn frühe eine enge Bindung zu ihr?
Ganz normal, aber sie hat zwischendurch eine Depression bekommen und also Brigitta ist mehr so ein Hau-den-Lukas-Typ. Ich bin der Feinfühligere und sie hat das irgendwie nie akzeptiert und muss das nicht mehr akzeptieren. Meine geschiedene Frau hat aber Kontakt zu ihr und das Familiäre immer so gemanagt.
Warum haben Sie sich auseinandergelebt?
Ich weiß es nicht, ich könnte auch kein Auslöser benennen sonst hätte ich da irgendwie dran arbeiten müssen. Kann sein, dass das hochgekochte Schuldgefühle waren, dass ich vielleicht nicht doch was anderes erreicht habe Das zieh ich mir jetzt aber auch so aus der Nase.
Haben Sie auch schwierige Zeiten erlebt?
Ich hatte einen strengen Vater, das muss ich sagen ich hab auch Schläge gekriegt, das hab ich ihm eigentlich bis zuletzt nicht verziehen. Wenn ich verspätet nach Hause gekommen bin, habe ich Sänge gekriegt und das fand ich pädagogisch total daneben.
Was für Autos sind sie gefahren?
Ich hatte mal einen orangefarbenen Renault 16. Mein Vater war Opelfahrer und für den war natürlich Renault kein Auto. Ich hatte zwischendurch auch mal einen hundertneunziger Mercedes.
Wie fühlt sich das Alter für Sie an?
Ich hab nichts mehr zu arbeiten. Ich hab ein Zuhause. Ich muss mich nicht mehr um viel kümmern. Ich frage mich schon manchmal, womit soll man sich beschäftigen, wenn man an sich nichts mehr zu tun hat.
Was würden Sie jungen Menschen raten?
Ich denke, wenn man jetzt irgendwelche Tipps gibt, dann beinhaltet das doch in der Regel, dass man sich in irgendeine Richtung irgendwie verbiegt und das möcht ich eigentlich nicht weitergeben. Ich denke wir kriegen genug in unserem Leben an Erlebnissen oder auch Rückschlägen, die uns dann immer wieder auf Kurs bringen, auch wenn wir mal ein bisschen straucheln Ich denk das Leben an sich führt uns ja.
Was würden Sie Ihrem früheren Ich gerne sagen?
Ich bin ganz zufrieden gewesen. Kopf hoch, mach weiter denk nicht so viel, vielleicht in dem Sinne.

ALTER!
Wie fühlt sich Altwerden an, wie gut sind wir auf unsere alternde Gesellschaft vorbereitet? Und welche Rolle spielt unsere Einstellung zum Leben?
