ALTER!

Ein Interviewprojekt von Klinikum Gütersloh|Anne-Frank-Schule|Wilhelm-Florin-Haus

Interview mit Angelika Herrmann

Waren Sie gerne Kind?

Ich war gerne Kind, ich habe viel mit meinem Bruder gemacht. Wir hatten keine Handys, und deshalb hatten wir viel Zeit haben wir alles gemacht, was man als Kind machen kann. Ich glaube für uns war es leichter in der Schule, als für die Schüler heute. Wir haben nur Bücher und sogar noch Schiefertafeln gehabt.

Was haben Sie gemacht, wenn Sie frei hatten?

Ich habe meine Mutter unterstützt, ich musste viel helfen. Und Freizeit war das, was übrig blieb. Wir haben oft Fangen und Verstecken gespielt.

Wann waren Sie mutig?

Das müssen vielleicht meine Kinder sagen, die habe ich nicht alleine gelassen, sondern da habe ich mich eingemischt. In die Schulen bin ich hingegangen und habe meine Kinder verteidigt.

Haben Sie auch mal schwierige Zeiten erlebt?

Ich bin geschieden und das war in den 60er und 70er Jahren nicht gerade üblich. Vorher gab es viel Streit und das war nicht einfach. Dafür haben wir uns nach der Scheidung gut verstanden und wir konnten miteinander reden, das ging vorher nicht. Ich habe auch gute Freundinnen gehabt, wir haben zusammen gehäkelt, auch gelacht und geweint. Aber als ich Krebs hatte, war das gar nicht mehr so leicht mit der Freundschaft.

Wie fühlt sich das Älterwerden an?

Wenn man gesund bleibt, ist das Älterwerden gut, aber wenn immer mehr dazu kommt, ändert sich das. Krankheiten kommen halt, dann fällt man, dann hat man die Schulter gebrochen, dann die andere, dann ist man auf Hilfe angewiesen, die man erstmal gar nicht haben möchte, das heißt, man muss um alles bitten, was man früher selber machen konnte. Damit muss man umgehen können. Wenn ich alleine bin, denke ich viel darüber nach, was ich früher gemacht habe. Oder was die Alten früher gemacht haben. Ich glaube, alten Menschen wurden weniger abgeschoben, heute müssen viele dahin gehen, wo die Kinder sagen.

Wie sollen junge Menschen mit den Alten umgehen?

Ihr sollt nicht auf uns/ältere Menschen hinabschauen. Auch über Menschen mit Behinderung nicht lustig machen, sondern anständig umgehen. Wichtig ist, dass man jedes Alter auskostet. Wenn man jung ist, wünscht man sich oft, älter zu sein, dann könnte ich dies oder das. Und im Alter wär man manchmal gerne wieder jung. Stattdessen sollte man in jedem Alter das machen was man will, nicht was die anderen denken, was man tun sollte. Hört auf euch selber, dann wisst ihr am besten, was zu tun ist.

Was ist Ihnen im Leben wichtig gewesen und hat sich das verändert?

Meine Familie ist mir immer sehr wichtig gewesen, ich habe mit meinem Sohn, meiner Schwiegertochter und meinem Enkel zusammen gewohnt. Dann haben die eine Kündigung auf Eigenbedarf bekommen und ich konnte da nicht mehr unterkommen. Eine eigene Wohnung ging nicht mehr, also habe ich mir das hier ausgesucht. Ich bin hier reingekommen und habe gedacht, hier kannst Du auch zuhause sein. Alles so warm, so viele Sitzgelegenheiten und jeder hat guten Tag gesagt und einen angelacht, seit April 2025 bin ich hier. Ich war Krankenschwester und habe 35 Jahre Nachtdienst gemacht. Acht Jahre Volksschule, dann in die Lehre als Näherin, und dann der Wechsel zur Krankenschwester.

ALTER!

Wie fühlt sich Altwerden an, wie gut sind wir auf unsere alternde Gesellschaft vorbereitet? Und welche Rolle spielt unsere Einstellung zum Leben?

Top