Komplexe Eingriffe an den Blutautobahnen unseres Körpers

Die moderne Gefäßchirurgie erfordert Routine und modernste OP-Technik. Im neuen Hybrid-OP des Klinikums Gütersloh kommt beides zusammen.

Jedes Jahr geraten etwa 6.000 Menschen in Deutschland in eine lebensbedrohliche Situation, weil Ihre Hauptschlagader, die Aorta, reißt. Ursache ist in vielen Fällen ein sogenanntes „Aortenaneurysma“, eine Erweiterung der Hauptschlagader. Eine Operation an der größten Schlagader des Körpers ist nicht ohne Risiko. Sie erfordert erfahrene Operateure und eine enge Überwachung während des Eingriffs. Das Klinikum Gütersloh hat deshalb in einen modernen Hybrid-Operationssaal investiert, um den Patientinnen und Patienten und dem eigenen Operations-Team optimale Bedingungen zu bieten.

Hundertprozentige Genauigkeit durch Live-Bildgebung

Heute wird ein 63 Jahre alter Patient operiert, er hat ein Aortenaneurysma, mit einem Durchmesser von 5,7 Zentimetern. Ab einem Durchmesser von 3 Zentimetern gilt ein Aneurysma als auffällig. Der Patient bekommt eine Aortenprothese, das ist ein Röhrchen aus flexiblem Kunststoffgewebe, um einen lebensgefährlichen Riss zu vermeiden. Fahed Kazkaz, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Gütersloh: „Mit der Live- Bildgebung im neuen Hybrid-Operationssaal können wir die Position dieser Prothese hundertprozentig genau bestimmen.“

Eingriffe bis in die kleinsten Gefäßregionen

Der neue Hybrid-OP verfügt an der Decke über eine bewegliche Angiographieanlage. Bei einer Angiographie handelt es sich um eine radiologische Untersuchung, bei der die Gefäße mit Kontrastmittel gefüllt und mittels Röntgen sichtbar gemacht werden. Die Angiographie zeigt während der Operation jedes noch so kleine Gefäß detailgetreu und dreidimensional auf dem Bildschirm. „Das ermöglicht Eingriffe bis in die kleinsten Gefäßregionen“, erklärt Fahed Kazkaz, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie. „Die Bildgebung ist faszinierend und ein technologischer Quantensprung für Operateure und Patienten.“

Aneurysma-OP erfordert Geschick und Geduld

Das Aortenaneurysma des Patienten ist als dunkler Bereich auf dem Bildschirm deutlich zu erkennen. Über zwei kleine Schnitte in der Leiste versorgen Gefäßchirurg Fahed Kazkaz und sein Kollege die Stelle mit der Prothese. Das erfordert viel Geschick und Geduld. Ein membranbeschichtetes Metallgeflecht stützt ab jetzt das Gefäß von innen und verhindert das Platzen der Erweiterung. Die hochwertigen Prothesen werden individuell für jeden Patienten angefertigt, damit Größe und Seitenarme exakt passen.

Geringere Belastung durch Operation und Narkose

Mit seiner maximalen Sicherheit ist der neue Hybrid-OP ideal für hoch-komplexe Eingriffe oder Eingriffe bei Risikopatienten. „Hybrid“ steht dabei für die Möglichkeit unterschiedliche Operationsmethoden zu kombinieren. Die Experten der Klinik für Gefäßchirurgie können minimalinvasiv starten und die Prothese zum Beispiel über einen Katheter in der Leiste an die gewünschte Position bringen. Sollte das minimal-invasive Verfahren nicht den gewünschten Erfolg bringen, können die Operateure im Hybrid-OP ohne umzurüsten zu einer offenen Operationsmethode wechseln. Auf diese Weise ist die Behandlung in nur einer Sitzung möglich. Vorteil für die Patienten: Sie brauchen auch bei komplexen Operationen nur einen Operationstermin. Das bedeutet im besten Fall geringere Belastungen durch Operationen und Narkose und einen schnelleren Genesungsprozess.

Spektrum der schonenden Operationsmöglichkeiten wächst

Gefäßchirurg Fahed Kazkaz: „Auf diese Weise wird das Spektrum der Operationen, die wir minimalinvasiv, also mit einer Schlüssellochtechnik operieren können, noch größer.“ Das bedeutet auch kleinere Narben und im besten Fall eine schnellere Heilung. Durch die ständige Kontrolle mit hochpräzisen Bildern während des Eingriffs, sinkt das Risiko für Folgeoperationen oder Komplikationen. Die Gefäßchirurgie im Klinikum Gütersloh gehört zu den größten gefäßchirurgischen Kliniken in OWL mit jährlich allein knapp 70 Operationen von Aortenaneurysmen.

Kleine Narben in der Leiste

Bei dem 63-jährigen Patienten ist die Operation über die Leiste erfolgreich gewesen. Die Operateure injizieren das Kontrastmittel, das jede Undichtigkeit sofort auf dem Bildschirm sichtbar machen würde. Das Blut strömt wie gewünscht durch den neuen künstlichen Kanal, die Gefahr einer Ruptur, eines Risses in der Bauchschlagader, ist gebannt. Schon wenige Tage nach dem Eingriff kann der Patient entlassen werden. Äußerlich zeugen nur zwei kleine Narben in der Leistengegend von dem Eingriff, der ihm möglicherweise das Leben gerettet hat.

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