Gynäkologin hilft Frauen mit Genitalverstümmelung

Die Verstümmelung weiblicher Genitalien ist in einigen Regionen der Welt immer noch traurige Realität. Sie bedeutet für die betroffenen Frauen oft eine Traumatisierung, lebenslange Schmerzen und Einschränkungen. Dr. Nurgül Akyol behandelt betroffene Frauen im Klinikum Gütersloh. Am 6. Februar ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Starke Blutungen, lebenslange Schmerzen, Vernarbungen und Komplikationen bei der Geburt. Das alles können die Folgen einer Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen sein.

Halima (Name geändert) kommt aus Somalia. Sie wurde als kleines Mädchen beschnitten, ein Schicksal, das in Somalia laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes etwa 98 Prozent der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren betrifft.

„Diese Patientin ist aus einer Flüchtlingsunterkunft zu uns gekommen“, erklärt Dr. med. Nurgül Akyol, Oberärztin an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum Gütersloh. Unterstützt durch eine Dolmetscherin hat sie mit der jungen Somalierin über ihre Geschichte und die medizinischen Möglichkeiten gesprochen. „Je nach Schwere der Verletzungen haben die Frauen, die zu uns kommen, unterschiedliche Beschwerden“, sagt Dr. med. Nurgül Akyol.

In einigen Kulturen werden die Klitoris und die inneren Schamlippen von Mädchen ganz oder zum Teil entfernt. Bei der sogenannten Infibulation, wird die Wunde zusätzlich vernäht, sodass nur eine sehr kleine Öffnung für Urin und Menstruation bleibt. Im Klinikum Gütersloh werden solche Fälle inzwischen regelmäßig operiert. Denn die Frauen leiden aufgrund der Vernarbungen nicht nur unter ständigen Schmerzen, sondern haben auch Probleme bei einer Geburt oder beim Geschlechtsverkehr.

„Die Frauen, die wir mit diesen Verletzungen behandeln, haben erhebliche gesundheitliche aber auch psychologische Beschwerden“, erklärt Oberärztin Nurgül Akyol. Die Spezialistin für Genitalchirurgie kann den Frauen durch eine Operation sehr gut helfen.

Bei Halima wird die Narbe im Genitalbereich geöffnet und die vaginale Öffnung wieder freigelegt. Außerdem werden die entfernten inneren Schamlippen rekonstruiert. Es gibt nur wenige Ärztinnen und Ärzte, die Erfahrung im Umgang mit Genitalverstümmelungen haben. Dr. Nurgül Akyol ist eine von ihnen. Diese aufwendigen Rekonstruktionen werden in Zusammenarbeit mit Dr. med. Wolfram Demmer, Chefarzt der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie im Klinikum Gütersloh, gemacht. Dr. Demmer: „Wir können die Schamlippen aus Gewebe des Oberschenkels rekonstruieren und dabei mikrochirurgisch die Gefäße erhalten. Auch eine sensible Rekonstruktion der Klitoris ist in den meisten Fällen möglich.“ Für Halima bedeutet die Operation im besten Fall ein Leben ohne Schmerzen und ohne Schamgefühl und Angst.

Die Hintergründe für die Beschneidung sind vielschichtig. Gemeinschaften, die sie praktizieren, berufen sich auf soziale Normen und Traditionen. Teils werden auch religiöse Argumente genutzt. In Deutschland gilt die Beschneidung weiblicher Genitalien seit 2013 als Straftatbestand. Geflüchtete Mädchen und Frauen, die eine Beschneidung erlitten haben oder davon bedroht sind, können sie als Asylgrund geltend machen. Die Beschneidung muss von einer Gynäkologin attestiert werden.

Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung und Integration hat einen runden Tisch gegen die Beschneidung von Mädchen ins Leben gerufen. In Nordrhein-Westfalen leben nach Schätzungen der Landesregierung etwa 22.000 Betroffene sowie knapp 4.000 potenziell gefährdete Mädchen. Das Ziel des Runden Tisches ist es, Expertinnen für das Thema regional miteinander zu vernetzen. In Herford gibt es die Fachstelle YUNA zur Prävention und Beratung bei weiblicher Genitalbeschneidung.

Dr. Nurgül Akyol: „In Gütersloh und Umgebung funktioniert diese Vernetzung und wir können den betroffenen Frauen schnell und effektiv helfen. Leider wächst der Bedarf, weil immer mehr Frauen mit Genitalbeschneidung nach Deutschland kommen.“

Top