Gebärmutterhalskrebs: Symptome, Diagnose und Behandlung

Jedes Jahr erkranken rund 5.500 Frauen in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Gebärmutterhalskrebs ist ein bösartiger gynäkologischer Tumor, der sich aus der Plattenepithelhaut im Bereich des äußeren Muttermunds entwickelt. Häufig entstehen sie im Übergangsbereich von Gebärmutterschleimhaut und Plattenepithelhaut der Scheide. Als Ursache gilt eine andauernde Infektion mit humanen Papilloma Viren (HPV).

Aufgrund der Schwere der bösartigen gynäkologischen Erkrankung empfiehlt die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) betroffenen Frauen die Behandlung in einem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum der DKG – wie dem im Klinikum Gütersloh – durchführen zu lassen.

Folgende Symptome sollten durch einen Frauenarzt abgeklärt werden und können auf einen gynäkologischen Tumor, wie dem Gebärmutterhalskrebs, hinweisen:

  • Jede Blutung nach den Wechseljahren
  • Ungewöhnlich starke Periodenblutungen oder Zwischenblutungen
  • Unklare Unterbauchschmerzen
  • Gewichtsabnahme

Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn bei der Krebsvorsorgeuntersuchung im Zellabstrich eine Krebsvorstufe festgestellt wurde. In einem solchen Fall sollten weitere diagnostische Maßnahmen eingeleitet werden. In unserem Gynäkologischen Krebszentrum wurde hierzu eine spezialisierte Dysplasie-Sprechstunde eingerichtet, in der Frauen mit Krebsvorstufen untersucht, beraten und behandelt werden.

Wichtige Untersuchungsschritte zum Nachweis von Gebärmutterhalskrebs sind:

  • die körperliche Untersuchung (Tastuntersuchung),
  • der Zellabstrich (Pap-Test, Zytologie),
  • der Nachweis von HP-Viren,
  • • die lupenoptische Betrachtung des Gebärmuttermunds und der Scheide (Kolposkopie),
  • die gezielte Gewebeentnahme von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals (Biopsie) und
  • • die kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses (Konisation).

Entscheidend zur Sicherung der Diagnose ist die feingewebliche, mikroskopische Untersuchung von verdächtigem Gewebe (Histologie). Diese ist immer notwendig.

Die empfohlene Standardtherapie bei früheren Krankheitsstadien ist die Operation. Ihr Ziel ist es, das Tumorgewebe sowie die von Tumorzellen befallenen Lymphknoten vollständig zu entfernen. Auch kann durch die Operation die Ausbreitung des Tumors festgestellt werden. Wie bei den meisten Tumoren ist die operative Behandlung entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf und erfolgt in unserem Gynäkologischen Krebszentrum durch erfahrene Fachärzte für gynäkologische Onkologie. Der Umfang der Operation richtet sich nach dem Stadium der bösartigen gynäkologischen Krebserkrankung.

Im Vor- oder Frühstadium ist die kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses (Konisation) oder die Teilamputation des Gebärmutterhalses (Trachelektomie) bei Kinderwunsch die Therapie. Im späteren Stadium ist eine vollständige Entfernung der Gebärmutter notwendig (Hysterektomie). Je nach Tumorgröße muss diese erweitert werden und Beckenbindegewebe sowie Lymphknoten im Becken mit entfernt werden (Traditionelle Operation nach Wertheim-Meigs).

In unserer gynäkologischen Onkologie am Klinikum Gütersloh bieten wir unseren Patientinnen die TMMR-Operation (Totale mesometriale Resektion des Uterus nach Prof. Höckel) an. Die TMMR ist eine neue, besonders nervenschonende Operationstechnik, die insbesondere im Vergleich zur herkömmlichen operativen Therapie Patientinnen eine Heilungsrate von rund 94 Prozent und damit eine rund 14 Prozent höhere Heilungsrate bietet. Die Heilungsrate ist definiert als ein Überleben ohne Rezidiv innerhalb von fünf Jahren.

Sie wurde von Professor Höckel, dem Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig, vor mehr als 10 Jahren entwickelt. Namhafte Frauenkliniken u.a. in Essen (Universität), Köln (Universität), Kassel, Dresden (Universität) und Ulm (Universität) haben dieses Verfahren inzwischen übernommen. In frühen Tumorstadien ist bei diesem Verfahren die Operation als alleinige Therapie ausreichend, so dass im Vergleich zur traditionellen Operation auf eine Strahlentherapie verzichtet wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass Störungen im Bereich der Blasen-, Enddarm- und Vaginalfunktionen im Vergleich zur traditionellen Operationstechnik nach der Operation seltener auftreten.

Wenn eine Operation aufgrund der Tumorausbreitung (Spätstadium) nicht möglich ist, wird eine Radiochemotherapie durchgeführt. Unter bestimmten Umständen ist diese auch nach erfolgter Operation bei Vorliegen von Risikofaktoren notwendig.

Das weitere Vorgehen wird für jede Patientin individuell in einer interdisziplinären Tumorkonferenz und in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden niedergelassenen Frauenarzt festgelegt.

Anmeldung zur Sprechstunde/Operation – auch zur Zweitmeinung
Chefärztin Dr. med. W. Ruhwedel
Telefon: 05241-8324-102 (Chefarztsekretariat)

Das Gynäkologische Krebszentrum im Klinikum Gütersloh wurde von der Studienzentrale an der Universitätsfrauenklinik Essen unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Kimmig zur multizentrischen TMMR-Registerstudie als Studienzentrum zugelassen und wurde von der Universitätsfrauenklinik Leipzig für dieses innovative Operationsverfahren zur Behandlung des Gebärmutterhalskrebses als eine von wenigen Kliniken im Bundesgebiet zertifiziert. Betroffene Patientinnen erhalten eine umfassende Beratung und Betreuung vor und nach der Operation.