Individuelle Schmerztherapie

Im Verlauf einer Tumorerkrankung treten in 40 bis 80 Prozent der Fälle starke
Schmerzen auf. Zur Verbesserung der Lebensqualität vieler tumorkranker
Patienten ist eine umfassende Schmerztherapie erforderlich. Die Erfahrungen in der Schmerztherapie zeigen, dass mittels oraler medikamentöser Therapie in 85 bis 90 Prozent der Fälle eine weitgehende Schmerzfreiheit erreicht werden kann. Medikamentenabhängigkeit und Sucht stellen bei Tumorpatienten kein Problem dar.

Im Rahmen einer interdisziplinären Arbeitsgruppe des onkologischen Zentrums wurden Empfehlungen zur Tumorschmerzbehandlung erstellt. Sie sollen dazu beitragen, dass unsere Tumorpatienten eine schnelle und effektive Schmerztherapie erhalten.

  • Für die Behandlung des Tumorschmerzes gibt es seit vielen Jahren eine Leitlinie
  • Palliativmediziner Dr. Herbert Kaiser verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Schmerztherapie und legt für unsere Patienten die bestmögliche Therapie festlegt
  • Grundlegend für die erfolgreiche Schmerztherapie ist eine umfassende Anamnese

Seit 2011 bietet die Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin eine individuelle Schmerzbehandlung an. Um die Patienten nach einer Operation oder einer anderen Behandlung möglichst schnell wieder zu mobilisieren, wird im Klinikum Gütersloh die Stärke der Schmerzen gemessen und die Schmerztherapie individuell auf den Patienten abgestimmt.

Die Messung der Schmerzen wird mit Hilfe einer Skala vorgenommen auf welcher die Schmerzstärke mehrmals täglich durch den Patienten von 0 bis 10 bewertet wird. Dabei wird zwischen Ruhe- und Belastungsschmerz unterschieden. Basierend auf den Angaben des Patienten erfolgt dann die individuelle Schmerztherapie.

Die Medikamentengabe erfolgt über eine Schmerzpumpe, welche über einen Katheter mit dem Körper verbunden ist. Dabei gibt die Pumpe eine Basisdosis (Basalrate) und, bei Bedarf, eine zusätzliche Schmerzmittelgabe (Bolus) ab. Letztere wird durch den Patienten individuell eingefordert. Die Schmerzpumpe beugt somit dem Entstehen von Schmerzen vor oder reduziert diese auf ein erträgliches Maß.
Unabhängig vom liegenden Schmerzkatheter erfolgt die Schmerzbehandlung mit gut verträglichen Schmerzmitteln, die bevorzugt als Tablette oder Tropfen über den Mund, aber auch als Infusion über die Vene oder als Pflaster über die Haut aufgenommen werden.

Die Wirksamkeit der Medikamente und die Funktion der Pumpen werden mehrmals täglich durch die Pflegekräfte des Akutschmerzdienstes  und dem zuständigen Arzt der Anästhesie überprüft. Hierzu wurden Gesundheits- und Krankenpflegerinnen als Pain-Nurses (Schmerztherapieschwestern) ausgebildet.  Diese spezialisierten Fachkräfte überwachen und lenken die Schmerzbehandlung in Absprache mit dem Anästhesisten. So können mögliche Nebenwirkungen der Schmerzmittel schneller erkannt und die Dosierung bei Bedarf angepasst werden.